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Klassiker in neuem Glanz (Darmstädter
Echo: 18.06.2001)
"Roya Khalilian Quintett mit Evergreens"
(hdv). Wie keine andere Spielstätte in Darmstadt eignet
sich der Gewölbekeller unterm Jazzinstitut zur Präsentation
von Musik aus der Abteilung "unplugged". Dazu bedarf
es neben excellenter Akustik und gut gestimmtem Flügel
auch des andächtig lauschenden Publikums.
Beim Konzert des "Roya Khalilian Quintett" am vergangenen
Freitag waren diese Voraussetzungen gegeben. Die frischen
Absolventen der Frankfurter Musikakademie haben sich einem
reizvollen Projekt zugewandt, bei dem das Ausloten von Klangräumen
und Stimmungen von Evergreens im Mittelpunkt steht. Tragende
Säule des Projekts bildet die ungewöhnlich variable
Stimme der Sängerin Roya Khalilian, die sich in keine
Schablone pressen lässt.
Die junge Künstlerin verfügt bereits über ein
erstaunliches Repertoire, dessen rein textlichrezitative Beherrschung
Bewunderung abnötigt. Souverän im Vordergrund, dennoch
eher zurückhaltend in der Choreografie, drückt Khalilian
so abgegriffenen Songs, wie "Autumn Leaves" oder
"Lullabye of Birdland" ihren eigenen Stempel auf,
als hätte es Billie oder Ella nie gegeben. Damit fördert
sie eine Retro-Variante von Entertainment, durch das Fehlen
von billigen Show-Effekten, elektronischen Verfremdungen und
natürlicher Zurückhaltung geprägt. Und genau
hierdurch entsteht eine neue Qualität von Unterhaltung,
eine "transparente, sinnliche Atmosphäre",
wie das Quintett seine Programmatik umschreibt.
Dem ordnen sich die Begleitmusiker unter: Tenorsaxophonist
Udo Salamon - cool, aber nicht unterkühlt, immer bereit
zu kurzen Duetten mit den anderen oder zu einem intensiven
Solo-Fragment. Pianist Samuel Jersak als flüssiger Begleiter,
alles andere als ein Klavier-Macho, weniger auf effektvolle
Blue-Notes als auf einfühlsame Untermalung bedacht. Lediglich
der virtuose E-Bassist Markus Hofmann bildet mit flexiblen
Basslinien einen Kontrast zur Sängerin. Unauffällig,
fast vergessen im Hintergrund der Schlagzeuger Volker Schmidt,
atypisch für seine Zunft, aber dem Projekt dienlich.
Das enorme stimmliche Potenzial von Roya Khalilian kommt besonders
in Balladen wie "Stella by Starlight" zur Geltung.
Neuer Wein in alten Schläuchen: Mit diesem Projekt folgt
das talentierte Quintett einem auffallenden Trend, der Klassikern
des Bar-Jazz und verjazzten Popsongs zu neuem Glanz verhelfen
soll. Die Szene orientiert sich an der Vergangenheit, um den
Weg in die Zukunft zu finden.
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